Home / Rainer Stolz

Hier finden Sie Informationen zu folgenden spartenübergreifenden Kunstprojekten:

 

Alle Wetter - Improvisations-Ensemble

Poetische Improvisation - Schwantke & Stolz

Poesie-Rezitation & improvisierte Musik

Vertonte Gedichte

Sprechquartette

interdisziplinärer Poesie-Stammtisch

die Wortwuselwelt im Internet (für Kinder & Erwachsene)

Graffiti & Poesie

 

 

 

Alle Wetter - Ensemble für transdisziplinäre Improvisation

spartenübergreifendes Ensemble für alle Wetterlagen der Improvisation

 © Fotos: Anja Beyer

Wir sind ein selbstorganisiertes Improvisations-Ensemble, gegründet im Januar 2016 und beheimatet am "exploratorium berlin". Unser Schwerpunkt liegt auf dem Wechsel- und Zusammenspiel verschiedener Sparten bzw. Medien der Improvisation wie Bewegung, Stimme, Sprache, Musik, Tanz, Theater, Bildende Kunst (z. B. Live-Malerei, Spiel mit Objekten) usw. Unter "transdisziplinär" verstehen wir, die Verbindung von Spielenden und Sparten bzw. Medien beweglich zu gestalten. Jede/r erprobt sich potenziell in allen Bereichen, die von Teilnehmenden in den Pool des Ensembles gegeben werden. Die Erfahrungen und Kompetenzen der Einzelnen speisen den Probenprozess. Wir geben uns Raum zum spielerischen Erkunden und Ausprobieren. Und wir entdecken, erforschen und entwickeln Elemente, Konstellationen und Formate der Bühnenimprovisation.

Besetzung: Susanne Brian, Reinhild Kuhn, Mata Riejahl, Katja Staub, Rainer Stolz, Jo Zahn

Neben Auftritten (z. B. bei der "Fete de la Musique" 2016 und 2017) laden wir gelegentlich zu öffentlichen Showings in unsere Probenräume ein (bisher: 05.12.2016, 24.04.2017).

zum Seitenanfang

 

 

 

 

Poetische Improvisation - Schwantke & Stolz

   

© Fotos: Sushma U. Gütter

"Christoph Schwantke und Rainer Stolz improvisieren mit Worten, mit Klängen und Geräuschen, mit Gesten und mit Fundstücken aus der Alltagswelt. In wechselseitiger Inspiration schaukeln sie sich zu eigenwilligen und oft verblüffenden Mini-Performances auf: mal meditativ, mal sprühend, mit Witz und doppeltem Boden. Augenblicksbilder, Soundlandschaften und poetische Szenen entstehen aus dem Moment heraus."

Von 2012 bis 2015 betrieben Christoph Schwantke und ich - in regelmäßigen Proben und gelegentlichen Auftritten - Poetische Improvisation. Deren doppeltes Zentrum bildeten Christoph Schwantkes Gitarrenspiel und das poetische Sprechen im Duett. Darüber hinaus erprobten und integrierten wir verschiedene andere Spielarten der Improvisation, wie improvisierte Stimm-Sounds und Songs, Erkundungen von Alltagsgegenständen in geräuschlicher sowie in figürlicher Hinsicht, Spiel mit Gestik und Bewegung.

Auftritte:

10. März 2012: wortwedding (Berlin-Wedding), Teilnahme an den "Poetry Acts" beim "Poesiefrühling 2012"

02. November 2012: Schwartzsche Villa (Berlin-Steglitz), Abendprogramm als Duo

25. November 2012: Tanz Tangente (Berlin-Steglitz), Teilnahme an den "Moving Poets III"

19. April 2013: Café Morsh (Berlin-Schöneberg), Performance zur Präsentation des Texthefts "Störungsbetrieb"

28. Juni 2013: Handbestand (Berlin-Mitte), Abendprogramm als Duo

09. November 2013: Burg Beeskow (Brandenburg), Duo-Programm & Impro - Jam Session

22. Juni 2014: Brotfabrik (Berlin-Weißensee), Teilnahme beim posthumen Jubiläum des Lunardi-Verlags

06. November 2014: Teilnahme beim Salon Flux und Flausen No. 1 (Berlin-Charlottenburg)

15. Dezember 2014: Lettrétage (Berlin-Kreuzberg), zu Gast in der Reihe "literaturlabor II", Gastgeber: Martin Jankowski

07. März 2015: Klein-Glienicker Kapelle (Potsdam-Babelsberg), zu Gast beim Improvisationstrio "Kapellespielt"

 zum Seitenanfang

 

 

 

 

Poesie-Rezitation & improvisierte Musik

  © Foto: Museum Schloss Burgk / Duo mit Matthias Bauer

Seit 2011 trete ich als Lyriker des Öfteren gemeinsam mit Musikerinnen und Musikern auf, die improvisiert musizieren, deren Spiel aus dem Moment heraus entsteht, inspiriert durch die rezitierten Gedichte sowie die Mitspielenden. Hin und wieder beteilige ich mich an der Improvisation (z. B. mit Sprache, Stimme, Alltagsdingen). Bisherige Auftritte u. a. mit:

Matthias Bauer (Bass) zur Eröffnung der Werkschau "Klaus Peter Dencker: Sehmantisches - Das Ehegeheimnis von Schrift und Bild" am 29. Mai 2016 im Museum Schloss Burgk (Thüringen)

Anna Katharina Kaufmann (Geige, Stimme, klingende Alltags-Dinge) bei der Premiere meines "Mitlesebuchs" (Aphaia Verlag) am 13. April 2016 im Lessing-Salon (Berlin)

Søren Gundermann (Klavier) und Thomas Strauch (Kontrabass): "Musikalische Lesung - Poetisches Konzert" am 31. Mai 2015 im Kleist-Museum in Frankfurt/Oder

Miriam Bondy (Perkussion, Stimme) und Wulf Essen (Blasinstrumente, Stimme) bei der Präsentation von "flügelzeug" zusammen mit Lars-Arvid Brischke am 26. Mai 2015 im exploratorium berlin

"Kapellespielt": Albrecht Walter (Klarinette, Bandoneon), Astrid Weins (Kontrabass) und Thomas Kumlehn (Flöte) am 07. März 2015 und am 04. Mai 2013 in der Klein-Glienicker-Kapelle

Astrid Weins (Kontrabass) und Thomas Kumlehn (Flöte) am 12. April 2013 in der Buchhandlung Viktoriagarten (Potsdam)

Miriam Bondy (Perkussion), Ruth Grünbaum (Flöten) und Esther von der Osten (Geige) am 02. September 2012 im Theaterkahn Berlin

Albrecht Walter (Klarinette, Bandoneon), Gareth Mitchell (Gitarre) und Thomas Kumlehn (Flöte, Stimme) am 26. August 2012 im Garten des Ökowerks Berlin

Ruth Grünbaum (Flöten) und Christoph Schwantke (Gitarre) am 26. August 2012 im Garten des Ökowerks Berlin (Foto)

dem Improvisationsensemble SAROTTI INSTANT -- Eglof Berger (Elektronik), Miriam Bondy (Stimme, Perkussion), Wulf Essen (Flöte, Stimme), Ricarda Gnauck (Klavier), Claudia Hartmann (Stimme, Perkussion), Thomas Kumlehn (Flöte), Matthias Schwabe (Viola, Flöte, Klavier & Ensemble-Leitung), Elisabeth Zündel (Stimme) -- und den Mit-DichterInnen Julia Trompeter und Lars-Arvid Brischke am 14. März 2011 im exploratorium berlin (im Rahmen des Festivals Poesiefrühling)

Thomas Kumlehn (Flöte, Stimme) am 11. März 2011 im wortwedding bei den von Nicola Caroli organisierten Poetry Acts (im Rahmen des Festivals Poesiefrühling)

zum Seitenanfang

 

 

 

  

Vertonte Gedichte

Initiiert vom Kulturamt Steglitz-Zehlendorf haben der Pianist Martin Schneuing und ich die Veranstaltung "Sollbruchstellen - Neue Lyrik / Neue Musik" konzipiert, deren Uraufführung am 06. November 2012 in der Schwartzschen Villa in Berlin-Steglitz stattfand. Zu diesem Anlass hatten vier KomponistInnen Gedichte von vier LyrikerInnen vertont, die dann per Gesang und Klavier, in Abwechslung mit Lyrik-Lesungen, vorgetragen wurden. Susanne Stelzenbach vertonte ein Gedicht von Jinn Pogy, Mayako Kubo eines von Synke Köhler, Sebastian Elikowski-Winkler eines von Ron Winkler, und Samuel Tramin vertonte, als Zyklus angelegt, fünf Gedichte aus meinem Band "Während mich die Stadt erfindet". Die InterpretInnen der Uraufführung waren Anna Schors (Mezzosopran), die Tramins Zyklus sang, Angelika Weber (Alt), die ihre Stimme den Liedern der anderen drei KomponistInnen lieh, und Martin Schneuing, der Klavier spielte.

Ein Jahr später folgte, wiederum vom Kulturamt Steglitz-Zehlendorf veranstaltet, ein gemischtes Programm aus klassischen und neu in Auftrag gegebenen zeitgenössischen Lyrik-Vertonungen, das am 06. Dezember 2013 in der Schwartzschen Villa zur Aufführung kam. Dieses Mal gab es eine thematische Klammer in der Verbindung zweier Sujets, woraus der Veranstaltungstitel "Die Natur zur Liebe - Vertonte Lyrik" resultierte. Auch Lyrik-Lesungen gehörten wieder zum Programm. Die klassischen Stücke waren "Auf dem Strom" (Lyrik: Ludwig Rellstab) und "Der Hirt auf dem Felsen" (Lyrik: Wilhelm Müller, Karl August Varnhagen von Ense) von Franz Schubert sowie der "Liederkreis op. 24" (Lyrik: Heinrich Heine) von Franz Schumann. Vertont haben Stepha Schweiger ein Gedicht von Ulrike Draesner, Martin Daske ein Gedicht von Marion Poschmann und Samuel Tramin zwei Gedichte von mir (Spezialgebiet / Strandstück). Die InterpretInnen waren Roman Trekel (Bariton), Dana Sturm (Klavier) und Isa von Wedemeyer (Cello).

zum Seitenanfang

 

 

 

 

Sprechquartette

Gemeinsam mit Julia Trompeter und Xaver Römer, die seit einer Weile mit wunderbaren Sprechduetten unterwegs sind, haben Lars-Arvid Brischke und ich um den Jahreswechsel 2010 / 2011 herum begonnen, Sprechquartette zu entwickeln und einzustudieren. Zwei sind bislang fertig: "Die We Be Gung", eine von Xaver Römer komponierte Etüde über mein Gedicht "wer will das schon", und das von mir begonnene und gemeinsam weitergeschriebene Sprechstück "Sicherheitshinweis". Angelehnt an die Form des Sprechduetts handelt es sich hierbei um chorische Sprechtexte im Spannungsfeld von Spoken-Word-Dichtung und notierter Vokalmusik. Das Gravitationszentrum ist der vierstimmige Vortrag, die Bühnen-Performance. Zum erstem Mal präsentiert haben wir beide Sprechquartette am 18.3.2011 im ORI (Berlin-Neukölln) im Rahmen eines gemeinsamen Programms, das schwerpunktmäßig aus Duo-, einigen Solo- und jenen Viererauftritten bestand.

 

(Ausschnitt aus der 183 Takte umfassenden Partitur von "Die We Be Gung", © Xaver Römer)

Näheres zu den Sprechduetten von Julia Trompeter und Xaver Römer: auf deren Seite

zum Seitenanfang

 

 

 

 

interdisziplinärer Poesie-Stammtisch

Von September 2010 bis Oktober 2012 fand ca. alle 6 Wochen im Poesie-Laden "wortwedding" diese offene Veranstaltung statt, bei der die Teilnehmenden auch ihr eigenes Publikum waren - für Kunstschaffende und Kunstvermittelnde verschiedener Richtungen und Sparten, die Lust hatten, sich auszutauschen, einander kennenzulernen und die neugierig waren auf Möglichkeiten der interdisziplinären Entstehung und Darbietung von Poesie im weiteren Sinne. Nach intensiven zwei Jahren mit vielfältigen Begegnungen und Erfahrungen, aus denen auch einige Kooperationen entstanden sind, hat der Poesie-Stammtisch seinen (vorläufigen) Endpunkt gefunden. Ein neues Veranstaltungsformat, in dem Impulse des Stammtischgeschehens weiterleben, stellt die "Offene Bühne Poesie & Musik" dar, die seit Februar 2013 im exploratorium berlin stattfindet.

Rückblicke: Bereits bei den ersten Stammtisch-Treffen waren wir übereingekommen, auch vor Ort kreativ werden zu wollen und begannen, in Teilen des Abends miteinander zu improvisieren. Ausgehend von mitgebrachten Inspirationsquellen oder Spielanleitungen und / oder in Reaktion aufeinander wurde musiziert, gezeichnet, geschrieben, gesprochen, rezitiert, gespielt, gefilmt oder anderweitig teilgenommen und ausprobiert. Darüber hinaus gaben wir uns Raum, um eigene Arbeiten, Projekte oder Ideen vorzustellen. So wie jedes Treffen seinen eigenen Charakter zeitigte, veränderte sich hin und wieder auch die Struktur der Stammtisch-Treffen. Das Ganze war ein offener Prozess. Die Anwesenden bewirkten gemeinsam, was passiert oder nicht passiert.

Am Samstag, den 12. März 2011 trafen wir uns im Rahmen des Festivals "Poesiefrühling" erstmals öffentlich zum Poesie-Stammtisch, und zwar in der Vorhalle der Bibliothek am Luisenbad. Einen kleinen Zusammenschnitt dieser Aktion hat Sushma U. Gütter aus Videomaterial ihrer Live-Cam-Teilnahme erstellt: zu sehen auf vimeo (die folgenden Bilder sind Filmstills; © Sushma U. Gütter)

          

Ein zweites öffentliches Treffen des Poesie-Stammtischs folgte unter dem Titel "Das Poetische Wohnzimmer / Open Poetry Space" am 24. September 2011 im Rahmen der "experimentdays" in Berlin. Veranstaltungsort war das Sonnendeck des Radialsystems. Der Ankündigungstext ist im folgenden dokumentiert:

[Der interdisziplinäre Poesie-Stammtisch lädt ein, mit Klängen, Worten, Bildern und Bewegungen miteinander ins "Gespräch" zu kommen. Aus Lust und Laune entsteht ein kreativer, gemeinschaftlicher Raum, ein offener Prozess des Ausprobierens, dem jede/r beiwohnen und zu dem alle, die möchten, etwas beitragen können: freie Improvisation, Wortspielereien, performative Einlagen und Spielideen zum Themenfeld der experimentdays (gemeinschaftliches Wohnen, sozial-ökologische Stadtentwicklung, kreative Selbstorganisation). - Heute schon poetisiert?

Poesie kann konstruktiv und subversiv sein, verzaubern und entzaubern, kann neue Blicke aufs Gewohnte ermöglichen und schöpferische Potenziale im sozialen Leben spürbar werden lassen. Poesie, als weiter Begriff, ist eine Qualität, die in jedem künstlerischen Bereich ebenso wie im täglichen Leben wirksam sein und zur Geltung kommen kann. Das Private kann poetisch sein, das Politische nicht weniger! -- Im Poetischen Wohnzimmer wird Poesie als eine Art Grundschwingung erfahrbar, als eine Ebene der Wahrnehmung, des Ausdrucks und der Auseinandersetzung mit sich, mit Anderen sowie mit den Zumutungen, Verwunderungen und Spielräumen der näheren und weiteren Welt. -- Das Poetische Wohnzimmer stellt selbst eine exemplarische Gemeinschaftssituation dar, das Wohnzimmer einer imaginären WG, in der kreative Selbstorganisation sozusagen zum guten Ton gehört -- Wir schaffen miteinander und füreinander unsere eigene Bühne, reagieren aufeinander, inspirieren, bremsen und beflügeln uns gegenseitig. Der Verlauf ist weitgehend offen. Die Anwesenden bewirken gemeinsam, was passiert oder nicht passiert. Wer da ist, ist dabei - und doch zu nichts verpflichtet. Neugier ist bereits ein Beitrag. Ebenso willkommen sind Menschen, die sich mit Instrumenten, Texten, gespitzten Stiften oder anderen poetisierenden Medien beteiligen möchten.]

zum Seitenanfang

 

 

 

 

Bilder / Klänge / Gedichte - die Wortwuselwelt im Internet

Im Sommer 2010 eröffneten Brigitte Krämer (Klanggestaltung, Programmierung) und Nina Pagalies (Grafik, Illustration) eine "Wortwuselwelt" im Internet, die Kinder von 6 bis 11 Jahren, aber auch ältere Kinder und Erwachsene einlädt, mit Bildern, Klängen und Worten zu spielen und Gedichte zu entdecken sowie interaktiv zu erkunden. Bilder, Figuren, Sounds, Stimmen, Gedichte, Worte und ihre Bestandteile sowie verschiedenste Spielformen wirken hier eng zusammen, beleuchten und bereichern sich gegenseitig. Nutzer/innen können sich mit Wort-, Bild- und Klangkreationen ausprobieren und eigene Akzente setzen.

Kurz vor dem Start des Projekts fragten mich die beiden Wortwusel-Gestalterinnen, ob ich Lust hätte, mich mit Gedichten und Gedanken zu beteiligen - und bald schon war ich von ihrer Begeisterung angesteckt. Seitdem gehört das Wortwusel irgendwie zu meinem Alltag, und ich freue mich jedes Mal, wenn etwas Neues auf die Seite kommt.

So geschah es denn, dass ich das erste Auftragsgedicht meines Lebens verfasste. Es heißt "Luftmusik" und korrespondiert mit der "Luftmusikmaschine". Wer diese betätigt, kann noch auf zwei weitere Gedichte von mir stoßen, sie lesen und hören - und es gibt jeweils ein Spiel dazu. Mein Gedicht "Vielfältiger Vorwurf" findet sich zudem mit einer wundervollen Falter-Show kombiniert.

Im Januar 2011 kam das Haiku-Modul hinzu, in dem fünf meiner Haiku-Vogelporträts (zu diesen Näheres: unter "Bücher") in schön-schräge Bildwelten eingebunden sind. Dazu erklingen die entsprechenden Vogelgesänge, deren Zuordnung in einem separaten Spiel erprobt werden kann.

Am 22. Juni 2011 wurde die Wortwuselwelt mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Gelobt wurde von der Jury u. a. der "neue Dreh vom spielerischen Umgang mit Kunst und Sprache", der "wie ein Trip der grenzenlosen Möglichkeiten der Gestaltung im Internet" wirke.

 

 

 

 

     Mensch sehe, höre, lese und betätige sich selbst! ---) www.wortwusel.net

 

 

 

 

 

Falterbild: Nina Pagalies / wortwusel

zum Seitenanfang

 

 

 

 

Graffiti & Poesie

Am 13. Juli 2008 wurden im Rahmen des poesiefestivals berlin auf dem Anton-Saefkow-Platz in Lichtenberg über 20 Wandgemälde präsentiert, die Graffiti-Künstler aus Rio de Janeiro, Barcelona und Berlin in den Tagen zuvor an die Wand eines ehemaligen Kaufhofgebäudes gesprüht hatten. Als Ausgangspunkt und Inspirationsquelle ihrer Arbeit hatte ihnen dabei jeweils ein zeitgenössisches Gedicht gedient, welches dann per Hand neben das entsprechende Bild geschrieben wurde. Den Anstoß zu dem Projekt lieferten die beteiligten brasilianischen Künstler/innen, die Ähnliches schon in Rio de Janeiro veranstaltet hatten.

Die Sprüher/innen: Ment, Bragga und Machintal aus Rio de Janeiro, Ovni, Kafre und Tom14Meritxell aus Barcelona sowie Natalie, Tame, Kobe, Shine, Ator, Ikon, Monstar, Saimen, Tokyoe, Fadaism, Aros, Nema One, Lake, Stör, Atem, Nelson und Optx

Die Dichter/innen: Claudia Roquette-Pinto und Renato Rezende aus Rio de Janeiro, Victor Sunyol und Cucurella aus Spanien sowie Christian Röse, Nadja Küchenmeister, Timo Berger, Adrijana Bohocky, Ann Cotten, Greta Granderath, Björn Kuhligk, Ricardo Domeneck, Bas Böttcher, Crauss, Alistair Noon, Angela Sanmann, Jan Wagner, Philip Maroldt, Tzveta Sofronieva, Monika Rinck und Rainer Stolz aus Berlin

Mein Gedicht "Gleichlaufschwankungen" hatte sich Optx ausgesucht, und das - so weit Fotos es wiedergeben können - ist dabei entstanden:

Fotos: Lars-Arvid Brischke

Fotos: Lars-Arvid Brischke

Gleichlaufschwankungen

Wer sich treiben lässt, landet

mit der Hand im Portemonnaie.

"Haltung", ruft ein Betrunkener.

So lang ich den Müßiggang

auch probe, es stellt sich

kein Laster ein

nur die Frisur von früher.

Fahrgäste essen ihr Gebäck.

Punks fotografieren sich.

Das Gleichlaufschwanken:

auch als Soundtrack leiert es.

Straßenverkäufer seufzen

Kopfschüttelmaschinen an.

Das Schlimme an neuen Leuten:

sie werden nie alt. "Wir sind

eine von diesen Megacitys." -

na dann ...

Auf drei Veranstaltungsebenen

lacht man um sein Leben.

Spatzen spielen Fallgesetz.

Ich folge einer Erdbeerspur

und lande im Markt.

Ich singe zur Tarnung.

 

aus: "Während mich die Stadt erfindet"  

© Elfenbein Verlag 2007

Optx (re) & Stolz (li)

Fotos: Optx

zum Seitenanfang

Home